Für alle die Wurst schonmal zuhause herstellen wollten
Wurst selber machen: Ausrüstung, Hygiene und Tipps für Anfänger
Wurst selbst herzustellen klingt zunächst nach klassischem Metzgerhandwerk – einige Varianten lassen sich aber auch in einer gut ausgestatteten Küche ausprobieren. Entscheidend ist, mit einem geeigneten Produkt anzufangen und Hygiene, Kühlung und Garung ernst zu nehmen.
Für Einsteiger eignen sich vor allem frische Bratwürste, die nach dem Füllen vollständig gegart werden. Deutlich anspruchsvoller sind Rohwürste wie Salami oder streichfähige Mettwürste. Hier reichen Fleischwolf und Wurstfüller allein nicht aus: Reifung und Lebensmittelsicherheit müssen zuverlässig kontrolliert werden.
Wer zunächst verstehen möchte, wie sich Roh-, Koch- und Brühwürste grundsätzlich unterscheiden, findet dazu unseren ausführlichen Wurstkunde-Ratgeber.
Welche Wurst eignet sich für Anfänger?
Der unkomplizierteste Einstieg ist eine frische Bratwurst.
Fleisch und Fett werden gekühlt zerkleinert, gewürzt und anschließend in geeignete Wursthüllen gefüllt. Anders als bei gereifter Rohwurst folgt keine wochenlange Reifephase. Die fertige rohe Bratwurst wird gekühlt aufbewahrt und vor dem Essen vollständig durchgegart.
Das ist ein wichtiger Punkt: Bei selbst hergestellter frischer Bratwurst verarbeitet man rohes, zerkleinertes Fleisch. Das BfR empfiehlt für Fleisch eine ausreichende Erhitzung und nennt als Orientierung mindestens 70 °C für zwei Minuten an allen Stellen.
Auch bestimmte erhitzte Wurstprodukte können sich für erfahrenere Hobbyköche eignen. Wer sich dagegen erstmals mit dem Thema beschäftigt, sollte Rohwurst nicht als Einstiegsprojekt wählen.
Warum Rohwurst wesentlich anspruchsvoller ist
Salami, Mettwurst und andere Rohwürste werden nicht durch vollständiges Erhitzen sicher gemacht. Bei ihrer Herstellung spielen unter anderem Reifung, Trocknung, Salzgehalt, Temperatur, Feuchtigkeit und teilweise Starterkulturen zusammen. Genau diese Kombination macht die Herstellung deutlich anspruchsvoller als bei frischer Bratwurst. Das BfR weist darauf hin, dass insbesondere schnell gereifte, streichfähige Rohwürste wie frische Mettwurst oder Teewurst für empfindliche Personengruppen ein erhöhtes Risiko darstellen können.
Wer sich für die Prozesse hinter gereiften Würsten interessiert, findet in unserem Artikel über Fermentation von Fleisch die technischen Grundlagen. Metzger-Suche
Für Einsteiger gilt deshalb: Lieber zunächst ein Produkt herstellen, das anschließend vollständig gegart wird.
Welche Ausrüstung braucht man zum Wurstmachen?
Für kleine Mengen ist kein professioneller Maschinenpark nötig.
Ein Fleischwolf erleichtert das gleichmäßige Zerkleinern des gekühlten Fleisches erheblich. Für regelmäßige Wurstproduktion ist er praktisch unverzichtbar, auch wenn kleine Mengen grundsätzlich auf andere Weise zerkleinert werden können.
Zum Füllen benötigt man einen Wurstfüller oder einen geeigneten Füllaufsatz. Ein separater Wurstfüller arbeitet meist gleichmäßiger als ein einfacher Aufsatz am Fleischwolf.
Hinzu kommen eine ausreichend große Schüssel, saubere Messer, ein zuverlässiges Küchenthermometer und geeignete Wursthüllen.
Naturdärme werden häufig eingesalzen verkauft und müssen dann entsprechend den Herstellerangaben gewässert und gespült werden. Andere Hüllen werden anders vorbereitet. Welche Unterschiede zwischen Natur-, Kollagen- und Kunstdärmen bestehen, erklären wir ausführlich in unserem Ratgeber über Wursthüllen.
Hygiene ist wichtiger als das perfekte Rezept
Bei der Verarbeitung von rohem Fleisch hat Hygiene Vorrang.
Durch das Wolfen wird die Oberfläche des Fleisches stark vergrößert. Keime, die sich zuvor nur an einzelnen Oberflächen befunden haben, können dadurch im gesamten Brät verteilt werden.
Das BfR empfiehlt deshalb, rohe tierische Lebensmittel von verzehrfertigen Lebensmitteln getrennt zu verarbeiten, Hände gründlich zu waschen sowie Geräte und Arbeitsflächen nach Kontakt mit rohem Fleisch gründlich mit heißem Wasser und Spülmittel zu reinigen. Bundesinstitut für Risikobewertung
Auch der Fleischwolf muss nach der Verwendung vollständig zerlegt und sorgfältig gereinigt werden.
Während der Verarbeitung sollte das Fleisch möglichst kalt bleiben und anschließend schnell weiterverarbeitet beziehungsweise gekühlt werden.
Was ist mit Nitritpökelsalz?
Nitritpökelsalz wird bei bestimmten Fleischerzeugnissen eingesetzt. Nitrit beeinflusst unter anderem Farbe und Aroma und kann auch bestimmte unerwünschte Mikroorganismen hemmen. Bundesinstitut für Risikobewertung
Für Hobbyanwender gilt trotzdem: nicht improvisieren.
Wer ein Rezept verwendet, das Nitritpökelsalz vorsieht, sollte sich exakt an eine fachlich geprüfte Rezeptur und die Angaben des verwendeten Produkts halten. Eigene Dosierungen oder ungeprüfte Internetrezepte sind bei diesem Thema keine gute Grundlage.
Mehr über das Verfahren erklären wir in unserem ausführlichen Ratgeber „Pökeln: Was hinter dem ältesten Konservierungsverfahren für Fleisch steckt"
Warum Salami und lange gereifte Wurst eine andere Liga sind
Eine gute Salami entsteht nicht allein dadurch, dass gewürztes Hackfleisch einige Wochen aufgehängt wird.
Reifung und Trocknung müssen kontrolliert ablaufen. Entscheidend ist nicht nur eine bestimmte Raumtemperatur, sondern das Zusammenspiel mehrerer Faktoren während verschiedener Reifephasen.
Deshalb würde ich im normalen Haushalt von Versuchen mit lang gereifter Rohwurst abraten, wenn keine geeignete Reifetechnik und das notwendige Fachwissen vorhanden sind.
Das ist genau einer der Bereiche, in denen sich professionelles Metzgerhandwerk besonders deutlich von einem einfachen Küchenprojekt unterscheidet.
Der beste Einstieg: frische Bratwurst
Wer Wurstherstellung kennenlernen möchte, beginnt deshalb am besten mit einer einfachen frischen Bratwurst.
Dabei lernt man bereits die entscheidenden Grundlagen: Fleisch auswählen, kalt arbeiten, wolfen, würzen, Brät richtig mischen und gleichmäßig in den Darm füllen.
Die fertige Wurst wird anschließend vollständig durchgegart.
Wie unterschiedlich Bratwürste ausfallen können, zeigen wir außerdem in unserem bestehenden Bratwurst-Ratgeber.
Der Metzger kann beim Einstieg helfen
Auch beim Selbermachen lohnt sich der Kontakt zum Fachbetrieb.
Manche Metzgereien verkaufen geeignete Därme, Gewürze oder Fleischzuschnitte und können erklären, welches Ausgangsmaterial sich für das geplante Produkt eignet. Einige Betriebe bieten außerdem Wurstkurse an.
Wer handwerklich hergestellte Wurst lieber genießen als selbst produzieren möchte, bekommt beim Metzger zugleich einen Eindruck davon, wie viel Erfahrung hinter einem scheinbar einfachen Produkt steckt.
Unser Artikel über die Renaissance der Hausmacher-Wurst zeigt, warum diese handwerkliche Tradition weiterhin eine große Rolle spielt.
Wurst selber machen: Einfach anfangen statt zu viel riskieren
Wurst selbst herzustellen kann ein spannender Einstieg in das Metzgerhandwerk sein. Entscheidend ist jedoch, das Projekt an die eigenen Möglichkeiten anzupassen.
Frische Bratwurst, die anschließend vollständig gegart wird, ist für Anfänger wesentlich geeigneter als eine rohe oder über Wochen gereifte Wurst.
Je stärker Sicherheit und Haltbarkeit von kontrollierter Reifung, Fermentation oder Pökelung abhängen, desto wichtiger werden Fachwissen und geeignete Technik.
Wer klein anfängt, sauber arbeitet und sich bei Unsicherheiten Rat beim Metzger holt, lernt viel über ein Handwerk, das hinter jeder guten Wurst steckt.
FAQ: Wurst selber machen
Welche Wurst eignet sich am besten für Anfänger?
Frische Bratwurst ist ein guter Einstieg, weil keine lange Reifephase erforderlich ist und die Wurst anschließend vollständig gegart wird.
Brauche ich unbedingt einen Fleischwolf?
Für regelmäßiges Wurstmachen ist ein Fleischwolf die praktischste Lösung. Bei sehr kleinen Mengen gibt es Alternativen, ein Wolf sorgt aber für ein deutlich gleichmäßigeres Ergebnis.
Brauche ich einen Wurstfüller?
Ein Füllaufsatz kann für erste Versuche genügen. Ein separater Wurstfüller erleichtert das gleichmäßige Füllen.
Kann ich Salami zu Hause selber machen?
Grundsätzlich ist Rohwurstherstellung möglich, sie verlangt aber kontrollierte Reifebedingungen und erheblich mehr Fachwissen. Für Einsteiger ist sie deshalb nicht empfehlenswert.
Kann man selbst gemachte rohe Bratwurst direkt essen?
Nein. Frische rohe Bratwurst muss vor dem Verzehr vollständig durchgegart werden.
Fotograf: Freek Wolsink
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Über den Autor
Ben Can Hekimoglu
Autor Food & Sustainability