Kaninchen und Hase werden im Alltag oft in einen Topf geworfen, sprachlich wie kulinarisch.
Dabei handelt es sich um zwei verschiedene Tiere mit grundverschiedenem Fleisch, unterschiedlichem Geschmack und völlig anderen Anforderungen an die Zubereitung. Wer die Unterschiede kennt, versteht nicht nur, warum ein Hasenbraten anders behandelt werden muss als ein Kaninchen im Schmortopf, sondern entdeckt zwei Fleischsorten, die in der deutschen Küche früher selbstverständlich waren und heute fast vollständig aus dem Blick geraten sind.
Warum die Verwechslung so verbreitet ist
Die sprachliche Vermischung von Kaninchen und Hase hat eine lange Tradition, die bis in Kochbücher und regionale Bezeichnungen reicht. In manchen Regionen wird das Kaninchen umgangssprachlich als Stallhase bezeichnet, was die Verwirrung zusätzlich befeuert. Auch das bekannte Gericht Falscher Hase, ein Hackbraten, verdankt seinen Namen dieser Vermischung: Er heißt so, weil er die Form eines Hasenbratens imitiert, ohne Hasenfleisch zu enthalten.
Biologisch sind Kaninchen und Hase verwandte, aber deutlich verschiedene Tiere. Der Hase ist ein Wildtier, größer, mit langen Läufen und Ohren, das in freier Wildbahn lebt und nicht domestiziert ist. Das Kaninchen ist kleiner, wurde domestiziert und wird als Haustier und als Nutztier gehalten. Diese unterschiedliche Lebensweise, wild gegen gezüchtet, ist der Grund für die erheblichen Unterschiede im Fleisch.
Kaninchen: Mager, mild und vielseitig
Kaninchenfleisch ist hell, mager und mild im Geschmack. In Farbe und Charakter erinnert es eher an Geflügel als an rotes Fleisch, obwohl es kein Geflügel ist. Es ist sehr fettarm, hat einen hohen Proteingehalt und einen zurückhaltenden Eigengeschmack, der es zu einem dankbaren Ausgangsprodukt für eine Vielzahl von Zubereitungen macht.
Weil Kaninchen ein domestiziertes Nutztier ist, ist das Fleisch gleichmäßig in der Qualität und ganzjährig verfügbar. Es stammt von jungen Tieren, was die Zartheit erklärt, hat aber genau wie andere magere Fleischsorten die Eigenschaft, bei falscher Zubereitung schnell trocken zu werden. Das ist die zentrale Herausforderung beim Kaninchen: Es hat kaum Fett, das die Feuchtigkeit hält, weshalb es entweder schonend gegart oder in einer feuchten Umgebung geschmort werden muss.
In der mediterranen Küche, besonders in Italien, Frankreich und Spanien, ist Kaninchen fester Bestandteil der Alltagsküche. Coniglio in umido, das italienische geschmorte Kaninchen, oder Lapin à la moutarde, das französische Kaninchen in Senfsauce, sind Klassiker, die zeigen, wie das milde Fleisch mit kräftigen Aromen kombiniert wird. In der deutschen Küche war Kaninchen früher ein verbreitetes Sonntagsessen, ist aber im Laufe der Jahrzehnte selten geworden.
Die Zubereitung folgt zwei Wegen. Die zarten Teile, vor allem der Rücken, können kurz gebraten werden, sollten aber nicht durchgegart werden, um nicht trocken zu werden. Die Keulen und die Vorderläufe eignen sich besser für Schmorgerichte, bei denen das Fleisch in Flüssigkeit langsam gart und saftig bleibt. Ein ganzes Kaninchen wird oft zerteilt und die verschiedenen Teile entsprechend ihrer Eigenschaften zubereitet.
Hase: Dunkel, intensiv und ein echtes Wildbret
Hasenfleisch ist das genaue Gegenteil von Kaninchenfleisch. Es ist dunkelrot, fast so dunkel wie das von Reh oder Hirsch, intensiv im Geschmack und deutlich kräftiger. Der Hase ist ein Wildtier, und sein Fleisch hat den ausgeprägten Eigengeschmack, den man von Wild erwartet. Es ist ein Wildbret im vollen Sinne und unterliegt, anders als das Kaninchen, der Jagdsaison.
Der intensive Geschmack und die festere Textur des Hasen erfordern eine andere Behandlung als das milde Kaninchen. Hasenfleisch profitiert von Marinaden und langen Garzeiten, die das Fleisch zart machen und den kräftigen Geschmack einbinden. Der bekannteste Zuschnitt ist der Hasenrücken, der als edelstes Stück kurz gebraten und rosa serviert wird, ähnlich einem Rehrücken. Der Rest des Tieres, vor allem die Keulen, wird geschmort.
Das klassische deutsche Hasengericht ist der Hasenpfeffer, ein Ragout aus Hasenfleisch, das in einer kräftigen, oft mit Blut gebundenen Sauce geschmort wird. Der Name Pfeffer bezieht sich dabei nicht auf das Gewürz, sondern ist eine alte Bezeichnung für ein dunkles, mit Blut gebundenes Ragout. In der französischen Küche ist das Pendant der Civet de lièvre, ein ähnliches Schmorgericht, das ebenfalls traditionell mit Blut gebunden wird und als eines der intensivsten Wildgerichte überhaupt gilt.
Hasenfleisch ist ein Saisonprodukt und in der Wildsaison im Herbst und Winter beim Wildhändler und beim Metzger erhältlich. Wie bei anderem Wild lohnt es sich, nach Herkunft und Alter zu fragen, weil junge Tiere das zartere Fleisch liefern.
Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick
Die praktischen Unterschiede zwischen Kaninchen und Hase lassen sich klar benennen. Kaninchen ist hell, mild, mager und ganzjährig verfügbar, weil es ein Zuchttier ist. Hase ist dunkel, intensiv, kräftig und saisonal, weil es Wild ist. Kaninchen erinnert geschmacklich an Geflügel, Hase an Wildbret wie Reh oder Hirsch.
Diese Unterschiede bedeuten, dass die beiden Fleischsorten in Rezepten nicht ohne Weiteres austauschbar sind. Ein Rezept für Kaninchen in Senfsauce funktioniert nicht identisch mit Hasenfleisch, weil der intensive Eigengeschmack des Hasen die milde Senfsauce dominieren würde. Umgekehrt würde ein kräftiges Hasenpfeffer-Rezept mit seinen intensiven Aromen den zarten Kaninchengeschmack überdecken. Wer die beiden Tiere verwechselt und die Rezepte vertauscht, bekommt nicht das gewünschte Ergebnis.
Warum beide aus der deutschen Küche verschwunden sind
Kaninchen und Hase waren in der deutschen Küche über Jahrhunderte präsent. Das Kaninchen war ein verbreitetes Nutztier, das in vielen Haushalten im eigenen Stall gehalten wurde und eine günstige, verfügbare Fleischquelle darstellte. Der Hase war ein saisonales Wildbret, das zur Jagdzeit auf den Tisch kam. Beide sind im Laufe des 20. Jahrhunderts aus der Alltagsküche verschwunden.
Die Gründe sind vielfältig. Der wachsende Wohlstand und die Verfügbarkeit von günstigem Schweine- und Rindfleisch machten die eigene Kaninchenhaltung überflüssig. Die emotionale Aufladung des Kaninchens als Haustier hat bei vielen eine Hemmschwelle geschaffen, es als Fleisch zu betrachten. Und das Wissen um die Zubereitung, das früher selbstverständlich weitergegeben wurde, ist mit den Generationen verloren gegangen.
Das ist ein Verlust, denn beide Fleischsorten haben ihre Berechtigung. Kaninchen ist ein mageres, gesundes und vielseitiges Fleisch, das in vielen Küchen der Welt geschätzt wird. Hase ist ein intensives Wildbret, das zu den charaktervollsten Fleischsorten der Saison gehört.
Beim Metzger kaufen
Kaninchen ist beim Metzger auf Nachfrage oder Vorbestellung erhältlich, in manchen Betrieben auch regelmäßig in der Theke. Es wird als ganzes Tier oder zerteilt angeboten. Wer das ganze Tier kauft, kann es selbst zerteilen und die verschiedenen Teile entsprechend ihrer Eigenschaften zubereiten. Frisches Kaninchen hat helles, leicht rosafarbenes Fleisch und keinen strengen Geruch.
Hase ist ein Saisonprodukt und in der Wildsaison beim Wildhändler und bei Metzgereien mit Wildangebot erhältlich. Wie bei anderem Wild sollte man nach Herkunft und Abhängezeit fragen. Frisches Hasenfleisch ist dunkelrot und fest.
Zwei Tiere, zwei Küchen
Kaninchen und Hase teilen sich einen sprachlichen Verwandtschaftsgrad, aber in der Küche sind sie zwei verschiedene Welten. Das milde, helle Kaninchen und das intensive, dunkle Hasenbret verlangen unterschiedliche Zubereitungen und ergeben unterschiedliche Gerichte. Wer beide kennt, hat zwei Fleischsorten mehr im Repertoire, die in der deutschen Küche zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind. Der Weg dahin führt über den Metzger und die richtige Frage nach dem richtigen Tier.
Fotograf: Péter Kövesi
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