Es gibt Produkte in der Metzgertheke, an denen die meisten Kunden vorbeigehen, ohne genauer hinzuschauen.
Sülze, Terrinen und Pasteten gehören dazu. Sie sind keine neuen Erfindungen, keine Trend-Produkte und keine Spezialitäten einer exotischen Küche, sondern das Gegenteil: Sie sind einige der ältesten und handwerklich anspruchsvollsten Produkte, die eine Metzgerei herstellen kann. Dass sie heute kaum noch gekauft werden, hat weniger mit ihrem Geschmack zu tun als mit der Tatsache, dass sie aus dem kollektiven Küchenwissen verschwunden sind. Wer sie kennt, findet in ihnen Produkte, die das Handwerk des Metzgers so direkt zeigen wie kaum etwas anderes in der Theke.
Sülze, Terrinen und Pasteten werden oft in einem Atemzug genannt, sind aber drei verschiedene Produktkategorien mit unterschiedlichen Herstellungsprinzipien, Texturen und Verwendungszwecken. Was sie verbindet, ist das Grundprinzip: Fleisch, Innereien oder andere tierische Zutaten werden durch Kochen, Formen und Kühlen in ein schnittfestes, eigenständiges Produkt verwandelt, das kalt gegessen wird. Das Ergebnis ist in allen drei Fällen ein Produkt, das ohne Hitze beim Servieren auskommt und dessen Charakter durch die Verarbeitung entsteht, nicht durch das Grillen oder Braten.
Das ist ein grundlegend anderes Konzept als ein Steak oder ein Braten. Bei diesen Produkten ist das Rohprodukt klar erkennbar und die Zubereitung der letzte Schritt. Bei Sülze, Terrine und Pastete ist die Verarbeitung selbst das Produkt. Der Metzger entscheidet über Zusammensetzung, Würzung, Struktur und Form, und das Ergebnis spiegelt seine handwerkliche Kompetenz direkt wider.
Sülze ist eines der ältesten Konservierungs- und Zubereitungsverfahren für Fleisch überhaupt. Das Prinzip ist einfach: Fleisch und Knochen werden so lange gekocht, bis das enthaltene Kollagen vollständig zu Gelatine umgewandelt wurde. Das Fleisch wird aus der Brühe genommen, zerkleinert oder in Stücke geschnitten und dann in der gelatinehaltigen Brühe eingebettet. Beim Abkühlen geliert die Brühe und bindet das Fleisch in einer schnittfesten, transparenten oder leicht trüben Masse.
Das Ergebnis ist ein Produkt, das ohne Kunstgeliermittel auskommt, weil das Kollagen aus den Knochen und dem Bindegewebe die gesamte Bindung liefert. Eine gut gemachte Sülze, die beim Abkühlen zu einer festen, klaren Gelee wird, ist das Zeichen für eine Brühe mit hohem Gelatinegehalt und damit für handwerklich sorgfältig ausgewähltes Ausgangsmaterial.
In Deutschland gibt es regionaler Vielfalt bei der Sülze. Schwartenmagen ist eine der bekanntesten Varianten: gekochte Schweinescharte und Fleischreste, eingebettet in Gelee, gewürzt mit Pfeffer, Piment und Majoran. Kopfsülze verwendet Fleisch aus dem Schweinekopf, das besonders kollagenreich ist und deshalb hervorragend geliert. Saure Sülze wird mit Essig und Zwiebeln angesäuert, was den fetten Eigengeschmack des Schweinefleisches in die Balance bringt.
Sülze wird in Deutschland traditionell kalt mit Essig und Öl, sauren Gurken oder Remoulade gegessen. Sie ist ein Sommergericht, das kalt aus dem Kühlschrank kommt und wenig Vorbereitung braucht. Dass sie kaum noch gekauft wird, hat vor allem damit zu tun, dass die meisten Menschen keine Vorstellung davon haben, was eine gute Sülze vom Metzger von einem industriellen Produkt aus der Plastikverpackung unterscheidet. Der Unterschied ist erheblich.
Eine Terrine ist ein in einer Form gegarter und kalt servierter Fleischblock, der beim Aufschneiden eine sichtbare innere Struktur zeigt. Der Name kommt vom französischen Wort für die irdene Form, in der das Gericht gegart wird. Terrinen sind in der französischen Küche tief verwurzelt und gehören dort zur Charcuterie, der handwerklichen Fleisch- und Wurstverarbeitung, die in Frankreich als Kunstform betrachtet wird.
Eine Fleischterrine besteht in der Regel aus einer Grundmasse aus gemahlenem oder fein gewürgtem Fleisch, in die gröbere Einlagen wie ganze Fleischstücke, Innereien, Pistazien, Oliven oder andere Zutaten eingebettet werden. Beim Aufschneiden entstehen so dekorative Muster, die zeigen, wie sorgfältig die Terrine zusammengesetzt wurde. Eine gut gemachte Terrine ist nicht nur geschmacklich überzeugend, sondern auch optisch ein Hinweis auf handwerkliches Können.
Terrinen können aus verschiedenen Ausgangsmaterialien hergestellt werden. Wildterrinen aus Reh, Wildschwein oder Hasen sind klassische Herbst- und Winterprodukte. Geflügelterrinen aus Ente oder Huhn sind milder und zugänglicher im Geschmack. Kalbslebertrrinen verbinden die Intensität der Leber mit der feinen Textur einer gut gemachten Grundmasse. Gemüseterrinen sind eine neuere Entwicklung, die ohne Fleisch auskommt, aber denselben handwerklichen Prinzipien folgt.
Was alle Terrinen gemeinsam haben, ist die Notwendigkeit einer genauen Kenntnis von Garpunkten, Würzung und Textur. Eine Terrine, die zu weit gegart wurde, verliert ihre Bindung und zerfällt beim Aufschneiden. Eine, die zu wenig gewürzt wurde, schmeckt flach trotz guten Ausgangsmaterials. Und eine, bei der die Einlagen nicht gleichmäßig verteilt wurden, sieht beim Aufschneiden schlecht aus. Terrinenherstellung ist handwerkliche Präzisionsarbeit.
Pasteten sind Terrinen, die in einem Teigmantel gebacken werden. Der Teig, in der Regel ein Mürbeteig oder ein Heißwasserteig, umhüllt die Füllung beim Backen, nimmt Feuchtigkeit auf, gibt Stabilität und wird selbst Teil des Produkts. Eine aufgeschnittene Pastete zeigt den Querschnitt aus knusprigem oder mürben Teig, der Füllung und in manchen Fällen einer Gelee-Schicht, die sich zwischen Teig und Füllung bildet, wenn die Pastete beim Abkühlen schrumpft.
Die Pastete ist eine der ältesten Zubereitungsformen überhaupt. Im Mittelalter diente der Teigmantel weniger als Genussmittel als als Behältnis und Konservierungsmittel: Das Fleisch wurde im Teig eingeschlossen und durch den Luftabschluss länger haltbar gehalten. Ob der Teig gegessen wurde, war zweitrangig. In der modernen handwerklichen Küche ist der Teig ein eigenständiger Bestandteil, der auf die Füllung abgestimmt wird und zur Gesamterfahrung beiträgt.
Klassische Pasteten sind die Straßburger Gänseleberpastete, die Wildschweinpastete oder die einfachere Landpastete aus Schweinefleisch und Leber. In Deutschland ist die Pastete weniger präsent als in Frankreich oder Großbritannien, wo Pies und Pasteten fester Bestandteil der Alltagsküche sind. In handwerklichen Metzgereien, die diese Produkte noch herstellen, ist eine gut gemachte Landpastete eines der überzeugendsten Beispiele für das, was handwerkliche Fleischverarbeitung leisten kann.
Industriell hergestellte Sülze, Pasteten und Terrinen aus dem Supermarkt haben wenig mit den handwerklichen Originalen zu tun. Sie enthalten in der Regel Geliermittel, Geschmacksverstärker, Konservierungsstoffe und standardisierte Fleischzusammensetzungen, die auf Haltbarkeit und Gleichmäßigkeit ausgelegt sind, nicht auf Geschmack und Handwerk. Der Teig einer Industriepastete ist weich und geschmacksneutral. Die Gelee in einer Industriesülze kommt aus dem Tütchen, nicht aus stundenlang gekochten Knochen.
Ein Metzger, der Sülze, Terrinen und Pasteten selbst herstellt, arbeitet mit eigenen Rezepturen, eigenem Ausgangsmaterial und eigenem Handwerk. Das Ergebnis ist ein Produkt, das von Betrieb zu Betrieb verschieden ist und das direkt zeigt, wer der Metzger ist und wie er arbeitet. Wer in einer unbekannten Metzgerei die Sülze oder die Terrine probiert, bekommt einen direkten Eindruck von der handwerklichen Kompetenz des Betriebs.
Sülze, Terrinen und Pasteten sind keine Museumsstücke, sondern lebendige handwerkliche Produkte, die in gut geführten Metzgereien noch hergestellt werden. Wer sie kauft, unterstützt eine Produktionskategorie, die echtes handwerkliches Wissen erfordert und die in der industriellen Fleischverarbeitung kaum noch existiert. Der erste Schritt ist der Blick in die Theke und die Frage an den Metzger, ob und was er selbst herstellt. Die Antwort sagt viel darüber aus, mit wem man es zu tun hat.
Fotograf: Sylwester Ficek
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