So bereitet man das perfekte Steak auf dem Grill zu!
Das Grillen eines Steaks klingt einfacher, als es ist. Wer es einmal wirklich richtig gemacht hat, versteht den Unterschied. Zwischen einem zähen, grauen Stück Fleisch und einem saftig-rosafarbenen Steak mit knuspriger Kruste liegt kein Geheimnis, sondern handwerkliches Wissen. Dieses Wissen fängt lange vor dem Anzünden des Grills an.
Wer ein gutes Steak grillen will, fängt beim Einkauf an. Die Wahl des Zuschnitts bestimmt Geschmack, Textur und die richtige Garmethode. Ein Ribeye, auch Entrecôte genannt, bringt durch seinen intramuskulären Fettanteil (die sogenannte Marmorierung) viel Eigengeschmack mit und verzeiht beim Grillen kleinere Fehler. Das Rumpsteak ist etwas magerer, aber mit dem charakteristischen Fettrand ausgestattet, der beim Grillen für Aroma sorgt. Das Filet ist das zarteste Stück, hat aber den geringsten Eigengeschmack und wird schnell trocken, wenn man es übergart.
Wichtig ist die Dicke: Ein Steak sollte mindestens 2,5 cm, besser 3 bis 4 cm dick sein. Dünne Scheiben lassen sich schlicht nicht kontrolliert garen. Sie sind außen verbrannt, bevor innen überhaupt etwas passiert ist. Wer beim Metzger kauft und nicht im Supermarkt, kann diese Vorgabe direkt kommunizieren. Gute Qualität erkennt man an der gleichmäßigen Marmorierung, einer kräftigen roten Farbe und einer trockenen, nicht schleimigen Oberfläche. Dry-Aged-Fleisch hat darüber hinaus eine dunklere, leicht ledrige Außenschicht und einen nussig-intensiven Geruch. Das ist gewollt und ein Zeichen für kontrollierte Reifung.
Ein häufiger Fehler: Das Steak direkt aus dem Kühlschrank auf den Grill legen. Kaltes Fleisch gart ungleichmäßig. Die Außenseite wird heiß, während die Mitte noch kalt ist. Das Ergebnis ist ein Steak, das außen zu weit gegart ist, bevor die gewünschte Kerntemperatur erreicht wird. Das Steak sollte mindestens 30 bis 45 Minuten vor dem Grillen aus dem Kühlschrank genommen werden, damit es Raumtemperatur annehmen kann.
Das Würzen vor dem Grillen ist ein Thema, über das viel gestritten wird. Grundsätzlich gilt: Grobes Meersalz kann bereits einige Minuten vor dem Grillen aufgetragen werden. Es entzieht dem Fleisch zunächst Feuchtigkeit, die dann wieder in die Oberfläche eingezogen wird und die Würzung tiefer ins Fleisch trägt. Wer das Steak jedoch bereits eine Stunde vorher salzt, sollte es anschließend mit einem Tuch abtrocknen, damit die Oberfläche beim Grillen wirklich trocken ist. Eine trockene Oberfläche ist die Grundvoraussetzung für eine gute Kruste. Pfeffer kommt erst nach dem Grillen, da er auf dem heißen Rost verbrennt und bitter wird.
Öl auf dem Steak, nicht auf dem Rost: Ein dünner Film eines hitzebeständigen Öls (z.B. Rapsöl oder Sonnenblumenöl) auf dem Fleisch selbst verhindert das Ankleben und fördert die Bräunung.
Ein guter Grillmeister arbeitet mit zwei Zonen: einer sehr heißen direkten Zone für die Kruste und einer indirekten Zone mit niedrigerer Temperatur zum Durchgaren. Beim Kugelgrill erreicht man das, indem man die Kohlen auf eine Seite schiebt. Beim Gasgrill werden nur einige Brenner auf volle Leistung gestellt.
Die direkte Zone sollte wirklich heiß sein, mindestens 250 bis 300 Grad Celsius auf dem Rost. Erst bei dieser Temperatur findet die Maillard-Reaktion zuverlässig statt: die Bräunung der Fleischoberfläche, die für Kruste, Röstaromen und Farbe verantwortlich ist. Ein Steak braucht auf jeder Seite etwa 2 bis 3 Minuten direkte Hitze, je nach Dicke. Wenden sollte man es nur einmal. Das Bild, das durch ständiges Wenden entsteht, mag auf Instagram gut aussehen, ist aber für das Ergebnis nicht förderlich.
Nach dem Angrillen kommt das Steak in die indirekte Zone, bis die gewünschte Kerntemperatur erreicht ist. Hier hilft ein gutes Fleischthermometer, das den Unterschied zwischen Raten und Wissen darstellt. Die Kerntemperaturen im Überblick: Rare liegt bei etwa 48 bis 52 Grad, Medium Rare bei 53 bis 57 Grad, Medium bei 58 bis 63 Grad. Alles darüber ist nicht mehr pink und für ein hochwertiges Steak eine verpasste Gelegenheit, aber letztlich Geschmackssache.
Nach dem Grillen braucht das Steak Zeit zum Ruhen. Dieser Schritt wird regelmäßig ignoriert und ist einer der häufigsten Gründe, warum ein gutes Stück Fleisch trotzdem nicht das hält, was es verspricht. Beim Grillen ziehen sich die Muskelfasern durch die Hitze zusammen. Der Fleischsaft konzentriert sich im Inneren. Wird das Steak sofort angeschnitten, läuft dieser Saft auf das Brett und ist weg. Lässt man das Steak hingegen 5 bis 8 Minuten auf einem warmen Brett oder Teller ruhen, können sich die Fasern entspannen und der Saft verteilt sich gleichmäßig. Das Ergebnis ist ein saftiges Steak statt einer trockenen Scheibe mit einer Pfütze daneben.
Das Steak sollte während der Ruhephase locker mit Alufolie abgedeckt werden, aber nicht fest eingewickelt. Festes Einwickeln lässt die Kruste durch den entstehenden Dampf weich werden.
Wie man ein Steak aufschneidet, beeinflusst die wahrgenommene Zartheit entscheidend. Fleischfasern verlaufen in eine bestimmte Richtung, das ist mit bloßem Auge erkennbar. Schneidet man das Steak entlang der Fasern auf, beißt man in lange, zähe Muskelfasern. Schneidet man quer zur Faser, werden diese Fasern durchtrennt und jeder Bissen fühlt sich zarter an. Das gilt besonders für Zuschnittte wie Flank Steak oder Skirt Steak, bei denen die Fasern sehr ausgeprägt sind, aber auch beim Rumpsteak oder Ribeye macht es einen spürbaren Unterschied.
Das Messer sollte scharf sein. Ein stumpfes Messer zerreißt das Fleisch anstatt es zu schneiden, was zum einen unschön aussieht und zum anderen dazu führt, dass mehr Saft austritt. Ein gutes Ausbeinmesser oder ein Steakmesser mit glatter Klinge leistet hier gute Dienste.
Ein perfektes Steak vom Grill ist das Ergebnis von guten Zutaten, Verständnis für Temperatur und ein paar Handgriffen, die man einmal richtig lernen muss. Wer hochwertiges Fleisch kauft, es richtig vorbereitet, mit Geduld und den richtigen Temperaturen grillt, es ausreichend ruhen lässt und am Ende sauber anschneidet, wird jedes Mal ein überzeugendes Ergebnis auf dem Teller haben. Das hat nichts mit Magie zu tun, sondern mit Handwerk.
Fotograf: imissyou
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