Lachsschinken enthält keinen Lachs. Woher der Name kommt, wie er entsteht und was ihn von Nussschinken und Kasseler unterscheidet.
Lachsschinken enthält keinen Lachs. Der ungewöhnliche Name hat vielmehr mit dem Fleischstück zu tun, aus dem die Spezialität hergestellt wird.
Anders als viele klassische Schinken stammt Lachsschinken nicht aus der Hinterkeule des Schweins. Verarbeitet wird ein besonders magerer Muskel aus dem Rücken. Trotzdem wird Lachsschinken in den offiziellen Leitsätzen des Deutschen Lebensmittelbuchs ausdrücklich den Rohschinken zugeordnet.
Was also steckt hinter dem Namen, wie wird Lachsschinken hergestellt und worin unterscheidet er sich von Nussschinken, Kochschinken und Kasseler?
Für Lachsschinken wird das sogenannte „Auge“ des Kotelettstrangs verwendet. Gemeint ist der lange Rückenmuskel Musculus longissimus dorsi.
Die Leitsätze für Fleisch und Fleischerzeugnisse definieren Lachsschinken genau über dieses Teilstück. Dünne Silberhaut darf noch anhaften, gröbere Teile der Sehnenplatte dagegen nicht.

Grafik: Rainer Zenz
Bildquelle: Schwein – Rückenstück
Lizenz: CC BY-SA 3.0
Das Fleisch ist besonders mager und besitzt eine gleichmäßige Struktur. In der Küchensprache wird dieser Rückenmuskel auch als Schweinelachs oder Lachsfleisch bezeichnet.
Auch bei Kalb und Lamm begegnet einem der Begriff, beispielsweise als Kalbslachs oder Lammlachs.
Mit dem Fisch hat Lachsschinken natürlich nichts zu tun.
Die Bezeichnung geht auf das verwendete Fleischstück zurück. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit erklärt, dass der ausgelöste und parierte Schweinerücken aufgrund seiner länglichen Form und der gleichmäßigen rosafarbenen Oberfläche Ähnlichkeit mit einem enthäuteten Lachs besitzt. Die Bezeichnung „Lachs“ hat sich deshalb traditionell im Metzgerhandwerk etabliert.
Aus dem Schweinelachs wird durch Pökeln und weitere Verarbeitung schließlich Lachsschinken.
Hier ist eine kleine sprachliche Besonderheit wichtig.
Im engeren anatomischen Verständnis stammt Schinken aus der Hinterkeule des Schweins. Genau deshalb wirkt die Bezeichnung Lachsschinken zunächst widersprüchlich: Sein Ausgangsmaterial sitzt im Rücken.
Warenkundlich ist die Sache aber eindeutig.
Die aktuellen Leitsätze des Deutschen Lebensmittelbuchs führen Lachsschinken ausdrücklich unter den Rohschinken. Es handelt sich also nicht um eine bloße Fantasiebezeichnung, sondern um ein klar definiertes Fleischerzeugnis.
Wer die grundsätzlichen Unterschiede zwischen Rohschinken, Kochschinken und geräucherten Varianten kennenlernen möchte, findet sie in unserer Schinkenkunde ausführlich erklärt.
Am Anfang steht der Schweinerücken. Aus dem Kotelettstrang wird der entsprechende Rückenmuskel sauber herausgeschnitten und weitgehend von Fett und gröberen Sehnenanteilen befreit.
Anschließend wird das Fleisch gepökelt.
Beim Pökeln sorgen Salz beziehungsweise Pökelsalz dafür, dass sich Farbe, Geschmack, Textur und Haltbarkeit des Fleisches verändern. Je nach Herstellungsverfahren kann trocken oder mit Lake gepökelt werden.
Wie diese Verfahren genau funktionieren, erklären wir ausführlich in unserem Ratgeber „Pökeln: Was hinter dem ältesten Konservierungsverfahren für Fleisch steckt“.
Nach dem Pökeln wird das Fleisch abgetrocknet und je nach Produkt beziehungsweise Herstellungsverfahren weiter gereift und gegebenenfalls geräuchert.
Eine allgemeingültige Pökel- oder Räucherdauer lässt sich deshalb nicht seriös für jeden Lachsschinken nennen. Sie hängt unter anderem von Stückgröße, Verfahren und Rezeptur ab.
Beim Pariser Lachsschinken gibt es dagegen eine klare Definition.
Nach den Leitsätzen darf diese Bezeichnung verwendet werden, wenn Lachsschinken mit einer dünnen Speckscheibe umhüllt ist.
Die Variante ist deshalb leicht zu erkennen: Um den sehr mageren Schweinelachs liegt eine dünne Fettschicht.
Die Bezeichnung „Pariser“ beschreibt hier also eine bestimmte Aufmachung beziehungsweise Herstellungsform und nicht etwa die Herkunft des Fleisches aus Paris.
Ja – und genau hier lohnt sich ein Blick auf die Bezeichnung.
Klassischer Lachsschinken wird in den Leitsätzen den rohen Pökelfleischerzeugnissen zugeordnet. Er wird also nicht wie Kochschinken durchgegart.
Daneben gibt es aber ausdrücklich „Gekochten Lachsschinken“. Dieser wird ebenfalls aus dem entsehnten Rückenmuskel des Kotelettstrangs hergestellt, zählt jedoch zu den gegarten Pökelfleischerzeugnissen.
Deshalb lohnt sich beim Kauf ein Blick auf die genaue Produktbezeichnung.
Der größte Unterschied liegt im Teilstück.
Lachsschinken stammt aus dem Rücken beziehungsweise Kotelettstrang.
Nussschinken wird dagegen aus der sogenannten Nuss der Schweinekeule hergestellt. Die offiziellen Leitsätze beschreiben die Nuss als das von den Muskeln des Kniestreckers gebildete Teilstück.
Beide Produkte können sehr mager wirken, stammen anatomisch aber aus völlig verschiedenen Bereichen des Schweins.
Auch Kochschinken wird gepökelt, anschließend jedoch gegart.
Klassischer Lachsschinken gehört dagegen zu den rohen Pökelfleischerzeugnissen.
Hinzu kommt das Ausgangsmaterial: Klassischer Kochschinken stammt in der Regel aus der Hinterkeule, während Lachsschinken aus dem Rückenmuskel hergestellt wird.
Kasseler ist ebenfalls gepökeltes Schweinefleisch, gehört aber zu einer anderen Produktgruppe.
Die Leitsätze ordnen Kasseler den Kochpökelerzeugnissen zu. Klassisches Kasseler wird aus dem Kotelettstrang hergestellt. Bei anderen Teilstücken wird dies entsprechend bezeichnet, beispielsweise als Nacken-Kasseler oder Kasseler Bauch.
Damit können Lachsschinken und Kasseler sogar aus benachbarten beziehungsweise vergleichbaren Rückenbereichen stammen – die Verarbeitung macht daraus aber deutlich unterschiedliche Produkte.
Räuchern kann Aroma, Farbe und Haltbarkeit beeinflussen. Beim Kalträuchern bleibt die Temperatur niedrig, sodass das Fleisch nicht durchgegart wird.
Genau diesen Unterschied zwischen Kalt- und Heißräuchern erklären wir ausführlich in unserem Ratgeber „Räuchern verstehen: Kalt, heiß und was mit dem Fleisch dabei passiert“.
Für Verbraucher ist deshalb weniger eine pauschale Aussage wie „Lachsschinken wird immer kaltgeräuchert“ sinnvoll als ein Blick auf die konkrete Herstellung des jeweiligen Produktes.
Klassischer Lachsschinken wird nicht durchgegart und gehört zu den rohen Pökelfleischerzeugnissen.
Das BfR empfiehlt Schwangeren grundsätzlich besondere Vorsicht bei rohen oder nicht ausreichend erhitzten Lebensmitteln tierischen Ursprungs, da diese häufiger Krankheitserreger enthalten können.
Bei klassischem rohem Lachsschinken ist deshalb Zurückhaltung sinnvoll. Bei Unsicherheit sollte die konkrete Produktart mit Arzt oder Hebamme abgeklärt werden.
Bei ausdrücklich gekochtem Lachsschinken handelt es sich dagegen um ein anderes Herstellungsverfahren.
Beim Metzger lohnt sich vor allem die Frage nach der Herstellung.
Interessant sind beispielsweise das verwendete Teilstück, Pökelverfahren, Räucherung und die Frage, ob es sich um klassischen oder gekochten Lachsschinken handelt.
Auch beim Pariser Lachsschinken lässt sich anhand der dünnen Speckumhüllung direkt erkennen, welche Variante angeboten wird.
Gerade bei einem Produkt mit wenigen Grundzutaten machen Ausgangsfleisch und Verarbeitung einen großen Teil des späteren Geschmacks aus.
Der Name führt zunächst in die falsche Richtung: Mit Fisch hat Lachsschinken nichts zu tun.
Er wird aus dem mageren Rückenmuskel des Schweins hergestellt, dem sogenannten Schweinelachs. Trotz seiner Herkunft aus dem Rücken führen die deutschen Leitsätze ihn ausdrücklich als Rohschinken.
Besonders leicht erkennbar ist der Pariser Lachsschinken an seiner dünnen Speckumhüllung. Und wer im Handel „Gekochten Lachsschinken“ findet, hat wiederum eine offiziell definierte gegarte Variante vor sich.
Damit ist Lachsschinken ein gutes Beispiel dafür, warum sich bei Fleischwaren ein genauer Blick auf Name, Teilstück und Herstellung lohnt.
Enthält Lachsschinken Lachs?
Nein. „Lachs“ bezeichnet hier den langen Rückenmuskel des Schweins. Die Bezeichnung entstand aufgrund von Form und Farbe des parierten Fleischstücks.
Ist Lachsschinken ein echter Schinken?
Nach den Leitsätzen des Deutschen Lebensmittelbuchs ja: Lachsschinken wird ausdrücklich unter den Rohschinken geführt, obwohl er nicht aus der Schweinekeule, sondern aus dem Rücken stammt.
Was ist Pariser Lachsschinken?
Pariser Lachsschinken ist Lachsschinken, der mit einer dünnen Speckscheibe umhüllt ist.
Was ist der Unterschied zwischen Lachsschinken und Nussschinken?
Lachsschinken stammt aus dem Rücken. Nussschinken wird aus der Nuss der Hinterkeule hergestellt.
Gibt es gekochten Lachsschinken?
Ja. Die Leitsätze kennen ausdrücklich „Gekochten Lachsschinken“ als gegartes Pökelfleischerzeugnis aus dem entsehnten Rückenmuskel.
Gibt es Lachsschinken auch von Geflügel?
Ja. Die Leitsätze definieren sogar Truthahn-Lachsschinken, der aus der hautfreien Brustmuskulatur des Truthahns hergestellt wird.

Ben Can Hekimoglu
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