Handelsklassen bei Rind: Was E, U, R, O, P und die Ziffern 1 bis 5 messen, wer einstuft und warum die Klasse kein Geschmackssiegel ist.
Rindfleisch-Handelsklassen: Was E, U, R, O, P wirklich bedeuten
Wer sich mit Rindfleisch beschäftigt, stößt früher oder später auf Kürzel wie R3, U2 oder O3. Für Verbraucher wirken diese Kombinationen zunächst wie Qualitätsnoten. Tatsächlich erfüllen sie jedoch einen ganz anderen Zweck.
Die Handelsklassen beschreiben vor allem den Schlachtkörper: seine Muskelfülle und seine Fettabdeckung. Sie schaffen einheitliche Kriterien für Schlachtbetriebe, Landwirtschaft und Fleischhandel. Ob ein Steak später besonders zart, aromatisch oder stark marmoriert ist, lässt sich aus einer Handelsklasse dagegen nicht zuverlässig ablesen.
Was steckt also hinter E, U, R, O und P? Was bedeuten die Zahlen von 1 bis 5? Und warum ist eine hohe Handelsklasse nicht automatisch ein Zeichen für besser schmeckendes Fleisch?
Das europäische Handelsklassensystem dient dazu, Rinderschlachtkörper nach einheitlichen Kriterien einzuordnen. Dabei werden insbesondere zwei Merkmale beurteilt: die Fleischigkeit und die Fettabdeckung.
Auf europäischer Ebene existieren die Fleischigkeitsklassen S, E, U, R, O und P. Deutschland nutzt bei Rinderschlachtkörpern jedoch die Klassen E, U, R, O und P. Die Klasse S wird hier nicht angewendet.
Die deutsche Regelung ist in der Rinderschlachtkörper-Handelsklassenverordnung festgelegt. Grundlage sind zugleich die europäischen Vorgaben für die Klassifizierung von Rinderschlachtkörpern. Gesetze im Internet
Zusätzlich können die einzelnen Fleischigkeits- und Fettklassen in Deutschland mit Plus, Null oder Minus weiter unterteilt werden. Ein R+ liegt beispielsweise innerhalb der Klasse R etwas höher als R0 oder R−.
Die Buchstaben bewerten die Fleischigkeit des Schlachtkörpers. Dabei geht es insbesondere um die Entwicklung der Körperprofile sowie um Keule, Rücken und Schulter.
E steht für vorzüglich. Die Profile sind konvex bis stark konvex und der Schlachtkörper besitzt eine außergewöhnlich ausgeprägte Muskelfülle.
U bedeutet sehr gut. Die Profile sind überwiegend konvex und die Muskelfülle ist sehr gut ausgeprägt.
R bedeutet gut. Die Profile verlaufen überwiegend geradlinig und die Muskelfülle wird als gut bewertet.
O steht für mittel. Die Profile reichen von geradlinig bis konkav und die Muskelfülle ist durchschnittlich.
P bedeutet gering. Die Profile sind konkav bis stark konkav und die Muskelfülle ist vergleichsweise gering.
Eine höhere Fleischigkeitsklasse bedeutet deshalb in erster Linie mehr beziehungsweise stärker ausgeprägte Muskulatur. Sie ist keine Geschmacksnote.
Ein Schlachtkörper der Klasse E muss also nicht zwangsläufig das bessere Steak liefern als ein Schlachtkörper der Klasse R.
Neben der Fleischigkeit wird die Fettabdeckung des Schlachtkörpers bewertet. Dafür werden die Zahlen 1 bis 5 verwendet.
Fettklasse 1 steht für eine sehr geringe Fettabdeckung.
Fettklasse 2 beschreibt eine geringe Fettabdeckung, bei der die Muskulatur fast überall sichtbar bleibt.
Fettklasse 3 bedeutet eine mittlere Fettabdeckung.
Fettklasse 4 steht für eine starke Fettabdeckung.
Fettklasse 5 bezeichnet eine sehr starke Fettabdeckung, bei der der Schlachtkörper weitgehend mit Fett bedeckt ist.
Bewertet wird dabei das Fett auf der Außenseite des Schlachtkörpers sowie in der Brusthöhle. Genau dieser Punkt ist wichtig, wenn man die Handelsklasse mit der späteren Fleischqualität vergleichen möchte.
Eine der häufigsten Verwechslungen betrifft die Fettklasse und die Marmorierung.
Die Fettklasse beschreibt nicht die feinen Fettadern innerhalb eines Steaks. Diese intramuskulären Fettanteile bezeichnet man als Marmorierung.
Ein Schlachtkörper kann deshalb eine bestimmte Fettabdeckung besitzen, ohne dass daraus exakt abgeleitet werden kann, wie stark ein einzelnes Ribeye, Rumpsteak oder anderes Teilstück marmoriert ist.
Wer mehr über diesen Unterschied wissen möchte, findet dazu unseren Ratgeber „Marmorierung: Warum Fett im Fleisch kein Fehler ist“.
Die Handelsklasse beantwortet also die Frage, wie ein Schlachtkörper äußerlich hinsichtlich Fleischigkeit und Fettgewebe beschaffen ist. Sie ist kein Marmorierungsindex.
Fotograf: Mark Stebnicki
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Neben Fleischigkeit und Fettklasse wird auch die Kategorie des Tieres angegeben. Sie berücksichtigt Alter, Geschlecht und teilweise die Kastration.
V steht für Rinder unter acht Monaten und wird im Zusammenhang mit Kalbfleisch verwendet.
Z bezeichnet Schlachtkörper von Rindern im Alter von acht bis weniger als zwölf Monaten.
A steht für nicht kastrierte männliche Tiere im Alter von zwölf bis weniger als 24 Monaten.
B bezeichnet nicht kastrierte männliche Tiere ab einem Alter von 24 Monaten.
C steht für kastrierte männliche Tiere ab zwölf Monaten, also Ochsen.
D bezeichnet weibliche Tiere, die bereits gekalbt haben.
E steht für sonstige weibliche Tiere ab einem Alter von zwölf Monaten, typischerweise Färsen.
Das eigentliche EU-Handelsklassenschema für Fleischigkeit und Fettgewebe gilt für Schlachtkörper von Rindern ab einem Alter von acht Monaten. Die aktuelle Einteilung lässt sich auch in der Übersicht zur Fleischklassifizierung des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat nachlesen.
Eine Bezeichnung wie R3 kombiniert Fleischigkeitsklasse und Fettklasse.
R bedeutet eine gute Muskelfülle mit überwiegend geradlinigen Profilen.
Die Zahl 3 steht für eine mittlere Fettabdeckung.
Die vollständige Kennzeichnung kann zusätzlich die Tierkategorie und die jeweilige Untergruppe enthalten.
Ein R3-Schlachtkörper besitzt damit eine gute Muskelfülle und eine mittlere Fettabdeckung. Daraus lässt sich aber noch nicht ablesen, ob ein bestimmtes Steak besonders zart oder aromatisch sein wird.
In Deutschland müssen Schlachtbetriebe, die im Wochendurchschnitt mehr als 150 Rinder schlachten oder schlachten lassen, ihre Rinderschlachtkörper klassifizieren lassen.
Die Einstufung muss möglichst schnell nach der Schlachtung, vor Beginn der Kühlung und spätestens eine Stunde nach dem Stechen des Tieres erfolgen. Kleinere Betriebe können die Klassifizierung freiwillig durchführen lassen; dann gelten ebenfalls die entsprechenden Vorgaben.
Die Klassifizierung darf nicht beliebig vom Schlachtbetrieb selbst vorgenommen werden. Klassifizierer benötigen eine behördliche Zulassung und müssen über Sachkunde, Zuverlässigkeit und Unabhängigkeit verfügen. Auch die eingesetzten Klassifizierungsunternehmen müssen zugelassen und von den Beteiligten der Vermarktungskette unabhängig sein.
Die Klassifizierung beruht auf festgelegten Kriterien und wird von entsprechend geschulten Fachleuten durchgeführt.
Deutschland unterteilt sowohl Fleischigkeitsklassen als auch Fettklassen zusätzlich in die Abstufungen Plus, Null und Minus. Bei Kontrollen bestehen genau definierte Toleranzen für Abweichungen zwischen Einstufungen. Abweichungen von höchstens einer Untergruppe werden anders behandelt als größere Abweichungen; für darüber hinausgehende Abweichungen gelten begrenzte Toleranzquoten.
Für Verbraucher ist dieses Detail allerdings weniger entscheidend als die Frage, was überhaupt bewertet wird.
Der wichtigste Zweck ist die Vergleichbarkeit.
Landwirte, Schlachtbetriebe und Fleischhandel benötigen einheitliche Kriterien, um Schlachtkörper zu beschreiben und Preise nachvollziehbar zu ermitteln. Wenn Muskelfülle und Fettabdeckung überall nach vergleichbaren Regeln eingestuft werden, können Schlachtkörper und Marktpreise besser miteinander verglichen werden.
Das System ist deshalb in erster Linie ein Instrument für Vermarktung, Abrechnung und Marktbeobachtung.
Es wurde nicht als Bewertungssystem für den Geschmack eines Steaks entwickelt.
Mindestens genauso wichtig wie die Einstufung selbst ist das, was nicht bewertet wird. Das System beurteilt nicht unmittelbar den Geschmack des Fleisches.
Es bewertet nicht die Zartheit eines einzelnen Teilstücks.
Es misst nicht die Marmorierung eines Steaks.
Fotograf: Dana Sredojevic
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Auch Rinderrasse, Fütterung, Haltung oder die spätere Fleischreifung sind keine Bestandteile der E-U-R-O-P-Bewertung. Gerade die Rasse kann bestimmte Voraussetzungen für Muskelfülle, Fettverteilung und Marmorierung beeinflussen, ist aber allein kein Qualitätsversprechen. Mehr dazu erklären wir in unserem Ratgeber Rinderrassen im Vergleich: Was Angus, Hereford und Wagyu wirklich unterscheidet.
Gerade die Rasse kann zwar bestimmte Voraussetzungen für Muskelfülle oder Fettverteilung beeinflussen, ist aber allein ebenfalls kein Qualitätsversprechen. Mehr dazu erklären wir in unserem Ratgeber „Rinderrassen im Vergleich: Was Angus, Hereford und Wagyu wirklich unterscheidet“.
Für den späteren Genuss spielen zusätzlich Faktoren wie Reifung, Zuschnitt, Lagerung und Zubereitung eine große Rolle. Ist E besser als R?
Aus Sicht der Muskelfülle steht E über R. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass das Fleisch geschmacklich hochwertiger ist.
Ein stark bemuskelter Schlachtkörper kann wirtschaftlich interessant sein, weil er einen hohen Fleischanteil besitzt. Für den Verbraucher kann dagegen ein gut gereiftes, passend marmoriertes Stück aus einer niedrigeren Fleischigkeitsklasse sensorisch interessanter sein.
Deshalb sollte man Fleischigkeitsklasse und Genussqualität nicht miteinander verwechseln.
An der Metzgereitheke spielt das EUROP-Kürzel für Verbraucher meist nur eine untergeordnete Rolle.
Wer gutes Rindfleisch kaufen möchte, sollte sich deshalb nicht allein an einer Handelsklasse orientieren. Farbe, Struktur, Fettverteilung, Herkunft, Reifung und Verarbeitung liefern gemeinsam ein wesentlich vollständigeres Bild. Worauf Verbraucher beim Einkauf achten können, erklären wir ausführlich in unserem Ratgeber Wie erkennt man gutes Fleisch: Worauf es beim Kauf ankommt.
Auch die Herkunft eines Tieres lässt sich aus der Handelsklasse nicht ablesen. Die gesetzliche Herkunftskennzeichnung verfolgt einen anderen Zweck und gibt beispielsweise Auskunft darüber, wo ein Tier geboren, aufgezogen oder geschlachtet wurde. Welche Angaben Verbraucher auf Verpackungen finden und was sie tatsächlich bedeuten, erklären wir in unserem Ratgeber Herkunftskennzeichnung bei Fleisch: Was die Angaben auf der Packung wirklich bedeuten.
Ein erfahrener Metzger kann diese Informationen mit dem konkreten Verwendungszweck verbinden und beispielsweise erklären, welches Stück sich besser zum Kurzbraten, Grillen oder Schmoren eignet.
E, U, R, O und P sind keine Schulnoten für gutes oder schlechtes Rindfleisch.
Die Buchstaben beschreiben die Muskelfülle des Schlachtkörpers. Die Fettklassen 1 bis 5 bewerten seine Fettabdeckung. Zusammen schaffen diese Angaben eine einheitliche Grundlage für Klassifizierung, Vermarktung und Preisbildung.
Sie sagen jedoch nicht zuverlässig voraus, wie zart, aromatisch oder stark marmoriert ein bestimmtes Stück Fleisch später sein wird.
Wer Fleischqualität beurteilen möchte, sollte deshalb Handelsklasse, Herkunft, Tierkategorie, Reifung, Marmorierung und Zuschnitt voneinander unterscheiden. Genau hier bleibt die Beratung beim Metzger oft aussagekräftiger als ein einzelnes Kürzel auf einem Schlachtkörper.
Was bedeutet SEUROP?
Es ist ein EU-Schema zur Einstufung von Schlachtkörpern nach Fleischigkeit und Fettabdeckung. In Deutschland gelten für Rinder die Klassen E, U, R, O und P.
Gibt es in Deutschland die Klasse S?
Für Rinder nicht. Die deutsche Verordnung schließt die Fleischigkeitsklasse S ausdrücklich aus.
Was bedeutet R3?
R steht für gerade Profile mit guter Muskelfülle, die 3 für eine mittlere Fettabdeckung.
Sagt die Handelsklasse etwas über die Qualität des Fleisches?
Nur begrenzt. Die Fleischigkeitsklasse misst Muskelfülle und sagt nichts über den Geschmack. Die Fettklasse gibt einen indirekten Hinweis auf die Marmorierung.
Ist Klasse E oder U besser als Klasse R?
Sie beschreibt eine höhere Muskelfülle, nicht automatisch besseren Geschmack.
Wer vergibt die Handelsklasse?
Zugelassene Klassifizierer, die bei neutralen Klassifizierungsunternehmen arbeiten. Verantwortlich für die ordnungsgemäße Durchführung bleibt der Schlachtbetrieb.

Ben Can Hekimoglu
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