Wer ein Stück Fleisch in die Pfanne legt, tut etwas anderes als wer es in den Ofen schiebt oder auf den Grill legt.
Das klingt offensichtlich, aber die wenigsten denken dabei darüber nach, was genau der Unterschied ist und warum er das Ergebnis so grundlegend verändert. Pfanne, Ofen und Grill übertragen Wärme auf vollständig verschiedene Arten, mit verschiedenen Geschwindigkeiten und verschiedenen Konsequenzen für Kruste, Saftigkeit und Gare. Wer das versteht, trifft bessere Entscheidungen darüber, welche Methode für welches Fleischstück sinnvoll ist.
Es gibt drei physikalische Arten der Wärmeübertragung: Wärmeleitung, Konvektion und Wärmestrahlung. Jede Garmethode nutzt eine oder mehrere davon, in unterschiedlichen Anteilen und mit unterschiedlicher Intensität.
Wärmeleitung bedeutet, dass Wärme durch direkten Kontakt übertragen wird. Wenn ein Steak auf eine heiße Pfanne gelegt wird, fließt Wärme von der Pfannenoberfläche direkt in das Fleisch. Das ist der schnellste und intensivste Weg der Wärmeübertragung und erklärt, warum sich eine Kruste in der Pfanne schneller bildet als im Ofen.
Konvektion bedeutet Wärmeübertragung durch ein bewegtes Medium, also durch Luft oder Flüssigkeit. Im Ofen wird das Fleisch von heißer Luft umgeben, die zirkuliert und dabei Wärme auf die Fleischoberfläche überträgt. Luft ist aber ein schlechter Wärmeleiter, weshalb Konvektion langsamer ist als direkter Kontakt. Das erklärt, warum ein Braten im Ofen gleichmäßiger gart als in der Pfanne: Die Wärme kommt von allen Seiten gleichzeitig, aber langsam.
Wärmestrahlung bedeutet, dass Wärme als elektromagnetische Strahlung übertragen wird, ohne dass ein Medium nötig ist. Auf dem Grill strahlen glühende Kohlen oder heiße Roststäbe direkt Infrarotwärme auf das Fleisch ab. Das ist intensiv und schnell, aber nur auf der dem Hitzequelle zugewandten Seite.
Die Pfanne ist die direkteste Garmethode. Das Fleisch liegt auf einer heißen metallischen Oberfläche, die Wärme fließt durch direkte Leitung schnell und intensiv in die untere Fleischseite. Das erzeugt in kurzer Zeit eine kräftige Kruste durch die Maillard-Reaktion, die ab etwa 140 Grad Celsius einsetzt. Eine gut vorgeheizte Pfanne aus Gusseisen oder Edelstahl erreicht Temperaturen von 200 bis 250 Grad Celsius auf der Oberfläche, was die Krustenbildung innerhalb von Sekunden nach dem Auflegen des Fleisches beginnen lässt.
Der Nachteil der Pfanne ist die Einseitigkeit. Wärme kommt primär von unten, und die obere Seite des Fleisches wird nur durch die heiße Luft in der Pfanne und durch Wenden erhitzt. Wer ein dünnes Steak brät, ist damit gut bedient: Kurz auf jeder Seite, fertig. Wer aber ein dickes Steak oder einen Braten in der Pfanne garen will, stößt schnell an die Grenzen der Methode. Die Außenseite ist längst fertig, bevor die Mitte die gewünschte Kerntemperatur erreicht hat.
Die klassische Lösung ist die Kombination: Fleisch in der Pfanne scharf anbraten, um die Kruste zu entwickeln, dann im Ofen fertigstellen. Diese Methode verbindet die Stärken beider Garmethoden und ist für dicke Steaks, Koteletts und kleinere Braten die zuverlässigste Technik.
Fett in der Pfanne ist kein optionaler Schritt. Es füllt die Unebenheiten zwischen Pfannenoberfläche und Fleisch, verbessert die Wärmeleitung und verhindert das Ankleben. Außerdem ermöglicht es das sogenannte Basting, also das Übergießen des Fleisches mit heißem Fett während des Bratens, was die Krustenbildung auch auf der Oberseite fördert.
Im Ofen wird Fleisch von heißer Luft umhüllt, die Wärme von allen Seiten gleichzeitig überträgt. Das macht den Ofen zur gleichmäßigsten Garmethode für größere Stücke. Ein Braten, der im Ofen gart, entwickelt keinen so starken Temperaturgradienten zwischen Außen und Innen wie eines das in der Pfanne gegart wird, weil die Wärme langsam und gleichmäßig von allen Seiten eindringt.
Die Ofentemperatur ist eine der wichtigsten Stellschrauben. Hohe Temperaturen, also 200 bis 240 Grad Celsius, erzeugen eine kräftige Bräunung der Außenseite und garen das Fleisch schneller durch, erhöhen aber das Risiko, dass die Außenseite trocknet oder verbrennt, bevor das Innere die gewünschte Temperatur erreicht. Niedrige Temperaturen, also 100 bis 130 Grad Celsius, garen das Fleisch sehr gleichmäßig und schonend, erzeugen aber keine Kruste. Die Kombination aus hoher Anfangstemperatur zum Anrösten und niedrigerer Temperatur zum Fertiggaren ist für die meisten Braten die sinnvollste Lösung.
Umluft erhöht die effektive Gartemperatur, weil bewegte Luft Wärme besser überträgt als stehende. Wer mit Umluft gart, kann die eingestellte Temperatur um etwa 20 Grad niedriger wählen als bei Ober- und Unterhitze und bekommt trotzdem ein gleichwertiges Ergebnis, oft sogar ein gleichmäßigeres, weil die Luft zirkuliert und lokale Temperaturschwankungen ausgleicht.
Feuchtigkeit im Ofen ist ein weiterer Faktor. Fleisch gibt beim Garen Wasser ab, das verdunstet und die Luftfeuchtigkeit im Ofen erhöht. Wer den Ofen geschlossen hält, gart in einer feuchteren Umgebung, was die Oberfläche des Fleisches feucht hält und die Krustenbildung verlangsamt. Wer den Braten offen im Ofen gart, lässt Feuchtigkeit entweichen, was die Außenseite trockener und die Kruste knuspriger macht.
Der Grill überträgt Wärme durch zwei verschiedene Mechanismen gleichzeitig: die Infrarotstrahlung der glühenden Kohlen oder der heißen Gasbrenner und die Wärmeleitung durch die Roststäbe, die direkten Kontakt mit dem Fleisch haben. Das macht den Grill zur intensivsten Garmethode und erklärt, warum Fleisch auf dem Grill schnell eine kräftige Oberfläche entwickelt und die charakteristischen Grillstreifen entstehen, wo das Fleisch die heißen Roststäbe berührt.
Die Wärmestrahlung der Kohle trifft das Fleisch von unten, was bedeutet, dass die untere Seite deutlich intensiver erhitzt wird als die obere. Das ist anders als in der Pfanne, wo die Wärme durch direkten Kontakt kommt, und anders als im Ofen, wo die Wärme von allen Seiten gleichzeitig wirkt. Auf dem Grill muss deshalb regelmäßig gewendet werden, um beide Seiten gleichmäßig zu garen.
Heruntropfendes Fett, das auf die Kohlen fällt und verbrennt, erzeugt kurzfristige Flammen, die das Fleisch mit Rußpartikeln belegen. Das ist der Ursprung des Grillgeschmacks, der sich von Pfannen- und Ofengeschmack klar unterscheidet. Wer zu viel Fett heruntertropfen lässt und das Fleisch dauerhaft über offenen Flammen liegt, bekommt verbranntes, bitter schmeckendes Fleisch. Wer die Flammen kontrolliert und das Fleisch rechtzeitig auf eine kühlere Zone zieht, nutzt den Rauchgeschmack ohne die negativen Effekte.
Die Unterscheidung zwischen direkter und indirekter Hitze auf dem Grill ist deshalb die wichtigste Grundkompetenz beim Grillen. Direkte Hitze für die Kruste, indirekte Hitze zum gleichmäßigen Durchgaren, genau wie bei der Kombination aus Pfanne und Ofen, nur dass beides auf demselben Gerät stattfindet.
Die Wahl der Garmethode sollte vom Stück abhängen, nicht von der Gewohnheit. Dünne Steaks und Koteletts unter zwei Zentimetern Dicke sind in der heißen Pfanne oder auf dem direkten Grill am besten aufgehoben, weil sie in kurzer Zeit auf Kerntemperatur kommen. Dicke Steaks ab drei Zentimetern profitieren von der Kombination aus scharfem Anbraten und Nachgaren im Ofen oder auf indirekter Hitze. Große Braten gehören in den Ofen, wo die Wärme gleichmäßig von allen Seiten kommt und über Stunden kontrolliert werden kann. Schmorgerichte brauchen feuchte Wärme im geschlossenen Topf, was eine eigene Variante der Ofenmethode ist.
Kein Fleischstück profitiert von einer falschen Methode. Ein dicker Braten, der ausschließlich in der Pfanne gegart wird, hat innen kaum die richtige Temperatur, wenn außen alles verbrannt ist. Ein dünnes Steak, das im Ofen gegart wird, ist trocken und farblos. Das richtige Werkzeug für das richtige Stück ist keine Selbstverständlichkeit, sondern das Ergebnis von Verständnis.
Guten Fleischeinkauf mit falscher Garmethode zu kombinieren ist eine häufige und vermeidbare Verschwendung. Wer versteht, wie Wärme in Pfanne, Ofen und Grill auf Fleisch wirkt, trifft bei jedem Stück die richtige Entscheidung und holt aus dem Produkt, das beim Metzger sorgfältig ausgewählt wurde, das Maximum heraus.
Fotograf: Carlos Garcia
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